BlogSinn #32

Selbsterfahrung & Familie: Familienwanderung im Lechtal

Von Füssen am Lech entlang bis zum Formarinsee in Vorarlberg

Ein Erlebnis der besonderen Art haben wir uns für unseren Sommerurlaub vorgenommen: Eine 10-tägige Wanderung in 10 Etappen von Füssen an einem der letzten Wildwasserflüsse Europas, dem Lech, entlang bis zu seiner Quelle in Vorarlberg, dem Formarinsee. Weg von der Arbeit, hin zur Quelle – 124 km flussaufwärts in 10 Tagen, Mutter, Vater, Sohn, Rucksack!

„Wandern ist Gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch sind: Eine Dauer von mehr als einer Stunde, eine entsprechende Planung, Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie eine angepasste Ausrüstung“ (BMWi, 2010).

Wandern ist deshalb so beliebt, weil es wenig kostet, Spaß macht, gesund ist, fast überall durchführbar ist, soziale Kontakte und Verhalten fördert, die individuelle Belastung gestaltbar macht, auch allein, mit dem Partner oder in Gruppen betrieben werden kann und bei fast jedem Wetter und zu fast jederzeit Jahres- und Tageszeit praktiziert werden kann. Dem Wandern – als Natur- und Selbsterfahrung – liegen somit drei wesentliche und individuell unterschiedlich ausgeprägte Motive zu Grunde (Dreyer et al., 2010):

  1. das Naturerlebnis und Sinnerfahrung,
  2. die Bewegung und Regeneration sowie
  3. das Knüpfen von sozialen Kontakten.

Wanderungen wirken auf drei Ebenen gesundheitsfördernd; die wesentlichsten Effekte aus einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums sind (BMWi, 2010):

  1. Physische Effekte: u.a.
    1. Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems
    2. Stärkung und Entlastung des Bewegungsapparates
    3. Immunsystems wird gestärkt
    4. Verbesserung von Kraftausdauer sowie der neuromuskulären Koordination
    5. Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit
    6. Regelmäßigere und tiefere Atmung, geringere Atemfrequenz
  2. Psychische Effekte: u.a.
    1. Veränderter Stoffwechsel – Verstärkung der Produktion körpereigener Hormone und Botenstoffe
    2. Entstehung positiver Gefühle: Wohlbefinden und Glücksgefühle
    3. Reduzierung negativer Emotionen
    4. Abbau von akutem Stress, Zunahme Stressresistenz
    5. Wirkt präventiv und therapeutisch gegen leichte und mittlere Formen der Depression
  3. Kognitive Effekte: u.a.
    1. Erneuerung von Hirnnervenzellen, Steigerung des geistigen Leistungsvermögens
    2. Demenz vorbeugend
    3. Naturkontakte regen Hirnaktivität an

Das Wandern in den Alpen mit ihren unterschiedlichen Höhenlagen ermöglicht neben einem Wandererlebnis zusätzlich auch gesundheitsfördernde Prozesse. Dies belegen die österreichischen Höhenstudien AMAS 2000 und AMAS II: „Sämtliche AMAS-Studien konnten eindrucksvoll nachweisen, dass ein individuell erstellter und von professionellen Coaches begleiteter Aktivurlaub in mittlerer Höhe […] mannigfaltige Gesundheitseffekte zur Folge hat“ (Humpeler & Schobersbeger, 2011).

Wandern bzw. Bergwandern in einer alpinen Gesundheits- und Wohlfühldestination wie z.B. dem Allgäu und dem Lechtal fördert durch die aktive Bewegung und dauerhafte Anstrengung die Selbstwirksamkeit und Selbstregulation und führt zu Natur- und Sinnerfahrungen sowie zu „Erholung mit Weitblick“ (Allgäu GmbH, 2012) – Körper, Geist und Seele des Wandernden öffnen sich für neue Ideen, Erfahrungen und Lebensziele.

Und welche Effekte hat es auf eine kleine Familie wie unsere? Wird es ein Lackmustest für den familiären Zusammenhalt? Wird es eine Prüfung für das Organisationstalent der Mutter? Wird es vor allem ein Fitnesstest für den Vater? Wird es ein unvergessliches Abenteuer für den Sohn? Oder wird es insbesondere ein sinnliches Familienritual der Liebe, Verbundenheit und Achtsamkeit? Wir werden Euch danach berichten – über unsere Erfahrungen, unsere Erkenntnisse, unsere Schmerzen und unsere Freuden!

Bis dahin eine erfüllte und erfolgreiche Sommerzeit…

…und vergiss niemals den Wert Deiner Freiheit!

Dein Sascha

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